Pressekonferenz RAAB-SURVEY
30. Juni 2008
Aktionsprogramm Raab
Im Rahmen des "Aktionsprogramms Raab" starteten österreichische Experten gemeinsam mit ihren ungarischen Kollegen am 30. Juni 2008 mit einer groß angelegten Überprüfung der Raab, die nicht nur die Kenntnisse über die Wassergüte der Raab verbessern, sondern auch die bilaterale Vertrauensbasis stärken soll.
"Neu daran ist, dass die bilateralen Expertenteams auf den Territorien beider Staaten tätig werden. Damit wird erstmals grenzüberschreitend in dieser Form ein so umfassendes Untersuchungsprogramm durchgeführt, wie es bisher nur an der Donau und am Rhein erfolgt ist", so Wilfried Schimon, Leiter der Sektion Wasser im Lebensministerium, im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ungarischen Staatssekretär für Umwelt und Wasserwesen Kóthay László.

In den letzten Jahren haben lokale Schaumbildungen auf der Raab vor allem auf ungarischer Seite zu Protesten der Bevölkerung und so zu einer Irritation in der Beziehung zwischen Ungarn und Österreich geführt. Eine eigens dafür eingerichtete hochrangige Task-Force präsentierte im Herbst letzten Jahres ein konkretes Aktionsprogramm von den Umweltministern Österreichs und Ungarns, das nun Punkt für Punkt abgearbeitet wird.

Ein wesentlicher Punkt des "Aktionsprogramms Raab" umfasst die Verbesserung und Verfügbarkeit der Daten rund um die Raab. Dazu dient die Raab Survey, deren Ziel die Schaffung einer möglichst genauen Kenntnis des Gewässerzustandes über das gesamte Längsprofil des Flusses und der auf ihn wirkenden Einflussfaktoren ist. Dabei werden gemeinsam von österreichischen und ungarischen Experten an 28 Stellen entlang des gesamten Flusslaufes Wasserproben aus der Raab entnommen, darüber hinaus werden die Abwässer von 24 maßgeblichen Einleitern kontrolliert.
Insgesamt werden mehr als 80 Substanzen analysiert werden. Im Bereich der Methodik der Labors wird es stets eine Abstimmung mit beiden Ländern geben. Die Probenentnahmen, die das Umweltbundesamt für Österreich übernimmt, werden bis Mitte Juli dauern, ein gemeinsamer Bericht wird im Herbst 2008 vorliegen. Die Ergebnisse dieser umfangreichen chemischen Analysen bilden eine wesentliche Grundlage für die weitere Entwicklung des Flusses.
„Ein erster wesentlicher Schritt des Aktionsprogramms war zunächst auch die Schaffung einer rechtlichen Grundlage für die Begrenzung von Emissionen aus der Lederindustrie. Ebenso wurde bereits mit Ende April die Einleitung von belasteten Wässern der Geothermie Fürstenfeld in die Feistritz eingestellt. Hochtechnische Reinigungsverfahren für die Abwässer der Lederfabriken der Firma Boxmark in Feldbach und Jennersdorf stehen vor der zügigen Realisierung. Für die Unternehmung in Wollsdorf ist die Errichtung in zwei Phasen vorgesehen. Zuerst muss noch heuer die alte Kläranlage soweit ertüchtigt werden, dass einfache, konventionelle Reinigungsziele erreicht werden und somit eine weitergehende moderne Stufe überhaupt betrieben werden kann. Dann muss auch hier ein solches weitergehendes Reinigungsverfahren installiert werden", so Schimon weiter.
Darüber hinaus haben beide Staaten, auch als Ergebnis des Aktionsprogramms, das Projekt „OpenWehr" entwickelt. Ziel dabei ist die ökologische Ertüchtigung der Raab im Grenzabschnitt Österreich/Ungarn. Zukünftig wird damit die Fischpassierbarkeit der Wehranlagen in diesem Bereich der Raab verbessert werden. Die Umbauten sollen aber auch eine sanfte touristische Nutzung ermöglichen. Das Projekt „OpenWehr" ist ein integraler Bestandteil der ebenfalls von der Raab Task-Force angestoßenen Entwicklung eines generellen, ökologisch orientierten Leitdokuments für die Raab oberhalb Körmend.
Bei der Pressekonferenz verwies Schimon auch auf die vom Bund und den Ländern Steiermark und Burgenland unterstützte Umsetzung der Maßnahmen des Aktionsprogramms.